Deutscher Werkbund Bayern: Symposium „Synagogen Kirchen Moscheen“

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Als Mitglied im Deutschen Werkbund Bayern e.V. darf ich Sie auf folgende interessante Veranstaltung aufmerksam machen:

Synagogen Kirchen Moscheen
Religionen und ihre Räume in unserer Gesellschaft

Samstag, 31. Januar 2009 ab 14.00 Uhr
Karmeliterkirche, Karmeliterstraße 2 (Nähe Promenadeplatz), 80331 München
Veranstalter: Deutscher Werkbund Bayern e.V.
Anmeldung erbeten an info@werkbund-bayern.de
Eintritt: 10 Euro

www.synagogen-kirchen-moscheen.de

Christliche Kirchen werden geschlossen, Synagogen wieder erbaut und Moscheen zu Zankäpfeln in der Gesellschaft. Die Gesellschaft ist im Wandel und mit ihr der öffentliche Raum, der von den Kultbauten wesentlich geprägt ist. Der Werkbund stellt sich diesen Veränderungen und fragt nach den Auswirkungen im Stadtbild und damit vor allem nach den Auswirkungen auf die Gesellschaft. Die Zahl katholischer und evangelischer Kirchen, die ihre kultische Funktion verlieren, ist regional unterschiedlich hoch. Im Gegensatz dazu treten islamische Gemeinschaften aus den Hinterhöfen in die Öffentlichkeit, bestehen auf die Sichtbarkeit ihres Glaubens in Form gebauter Architektur. Die Errichtung neuer Synagogen wird zur ostentativen Geste.

Der Werkbund fragt deshalb, welche gesellschaftlichen Hintergründe und Veränderungen am Wirken sind, die neue Kultbauten wie Synagogen, Kirchen und Moscheen heute ermöglichen. Ist die Gesellschaft wirklich "liberaler" geworden und was bedeuten die neuen Akzente für unsere Zukunft? Wie wird sich unser Stadtbild ändern? Bewirkt der Bau von Synagogen und Moscheen neue urbane Impulse? In einem Einführungsreferat und drei mal zwei Impulsreferaten, die jeweils große monotheistische Positionen beleuchten, stellt der Werkbund diese Fragen.

Mit freundlichen Grüßen
Martin Schnitzer


PROGRAMM:

Begrüßung
Dieter Koppe, Architekt, München
1. Vorsitzender des Deutschen Werkbunds Bayern e. V.

Vortrag: Sakraler Raum - öffentlicher Raum.
Die Kirche als verdichtete Stadt, und was daraus zu lernen wäre

Prof. Dr. Wolfgang Pehnt, Köln

"Sakralbauten sind Stätten der Anbetung. Aber bevor die Kirchenbehörden in ihrem neuzeitlichen Sicherheitsdenken die Portale ihrer Kirchen verschlossen und nur zu vorbestimmten Zeiten des Gottesdienstes öffneten, waren Kultstätten auch öffentliche Orte. Tempel, Kirchen und Moscheen haben die Silhouetten der Orte geformt, ihre Identität für das Auge und für die Erinnerung bestimmt, waren Konzentrate der menschlichen Siedlungen. Auch in der Nutzung haben sie außer ihrer gottesdienstlichen Bestimmung zahlreiche andere Funktionen wahrgenommen. In ihnen wurden Krönungen gefeiert, kamen Ratsversammlungen zusammen, wurden Rechtsgeschäfte abgeschlossen, Feste gefeiert, Theaterstücke aufgeführt, wurde Asyl gewährt und Fürsorge geleistet. "Ein Kirchenbau ist nie nur, was er ist" (Steffensky). Noch die Gemeindezentren der Nachkriegszeit boten und bieten eine Vielzahl sozialer und kultureller Leistungen an, von der Jugendarbeit bis zur Seniorenbetreuung. Dieser vielfältigen Bedeutung entsprach der gestalterische Ehrgeiz ihrer Architektur. In den Neubausiedlungen waren Kirchen oft die einzigen Bauten, die mehr als die Routine des architektonischen Alltags boten. Dieses Erbe bietet auch jenseits seiner ursprünglichen Bestimmung Chancen für Gegenwart und Zukunft."

Impulsreferat: Synagogen - Bauaufgabe Gottes Haus
Prof. Wolfgang Lorch, Architekt, TU Darmstadt Saarbrücken

Impulsreferat: Die Synagoge Ohel Jakob und das Gemeindezentrum - ein Erfolg
Stadtrat Marian Offman, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, München

Impulsreferat: Veränderungen von Stadt und Gesellschaft am Beispiel der Diözese Essen
Dr. Herbert Fendrich, Essen

Impulsreferat: Die Bedeutung des Kirchenbaus heute aus theologischer Sicht
Prof. Dr. Ludwig Mödl, Herzogliches Georgianum, München

Impulsreferat: Islamische Architektur
Dr. Christian Welzbacher, Kunsthistoriker, München

Impulsreferat: Bevölkerung und Moschee in Penzberg
Benjamin Idriz, Imam, Islamische Gemeinde Penzberg
mit Alen Jasarevic, Architekt, Planer der Penzberger Moschee, Augsburg

Podiumsdiskussion
Prof. Dr. Ludwig Mödl, Herzogliches Georgianum, München
Prof. Dr. Werner Gephart, Zentrum für Religion und Gesellschaft, Uni Bonn,
Fellow am Forschungskolleg für Religion, Politik, Wirtschaft an der Universität Basel
Prof. Andreas Meck, Architekt, Hochschule München, München
Moderation: Wilhelm Warning, Bayerischer Rundfunk, München


PERSONEN:

Herbert Fendrich, Theologe und Kunsthistoriker; zahlreiche Publikationen zur Bildtheologie. Fendrich ist bischöflicher Beauftragter für Kunst und Kirche in der Diözese Essen, in dem ca. 120 Kirchen (30% des Gesamtbestandes) zur Disposition stehen. Er verfasste die "Essener Leitlinien - Erhalt, Nutzung, Nutzungsänderung, Nutzungserweiterung von Kirchen im katholischen Ruhrbistum" (2003). Fendrich ist der profilierteste Kenner in Fragen der Nutzungsänderung von katholischen Kirchen.

Werner Gephard (* 1949), Künstler, Jurist, Soziologe. Ab 1990 Bayer. Akademie der Wissenschaften, 1992 Professor für Soziologie an der Universität Bonn. In einer Vielzahl wissenschaftlicher Gremien, Projekte engagiert, Mitglied im Steering Commitee des Nordamerikaprogramm (NAP) der Universität Bonn. 1994-1997 Forschungsprojekt Soziologie im Aufbruch. Kooptiert in die interkulturellen Religiösen bzw. Religionsgeschichtlichen Studien an der Universität Bonn. Werner Gephart ist Gründungsmitglied des Zentrums für Kommunikation und Medien, des Zentrums für Religion und Gesellschaft (ZRG), des Center for Classical Studies (CCT) und des Zentrums für Japanforschung an der Universität Bonn. Er ist ferner Senior Fellow am Center for Development Research (ZEF), Bonn, auswärtiges Jury-Mitglied des Institut Universitaire de France (IUF), Paris, Fellow am Forschungskolleg für Religion, Politik, Wirtschaft an der Universität Basel

Benjamin Idriz (* 1972 in Mazedonien), Imam der Islamischen Gemeinde e. V. in Penzberg. Sie gilt als Modellfall für gelungene Integration. Die Moschee des Augsburger Architekten Alen Jasarevic hat überregional Anerkennung gefunden. Lokalpolitiker und Vertreter der christlichen Kirchen loben die Aufgeschlossenheit von Imam und seiner Gemeinde. Idriz stammt aus Mazedonien, hat in Damaskus und Frankreich studiert, und plant in München die Gründung eines "Zentrums für Islam in Europa" (ZIEM), eine akademische Ausbildungsstätte für Imame. In Zusammenarbeit mit Universitäten und dem Kultus- und Wissenschaftsministerium sollen entsprechende Studiengänge eingerichtet werden.

Alen Jasarevic (*1973), Architekt. Seit 2003 freier Architekt. Kunstförderpreis der Stadt Augsburg, Auszeichung des Prinz-Fonds, Anerkennung der Reinerschen Stiftung, Auszeichnung mit dem Thomas-Wechs-Preis, Architekturpreis der Stadt Sarajevo.

Wolfgang Lorch (* 1960 in Nürtingen), seit 1993 freier Architekt in der Werkgemeinschaft Wandel Hoefer Lorch Architekten und Stadtplaner, 1997 Mitglied im BDA, 1998 Architekturpreis des BDA Berlin für die Arbeit am Bahnhof Berlin Grunewald, Gleis 17, seit 1999 Landesvorsitzender des BDA Saarland, 2000 Deutscher Kritikerpreis Berlin. Die Synagoge in Dresden von Wandel Hoefer Lorch+Hirsch wurde 2002 als beste europäische Architektur ausgezeichnet. 2003 Auszeichnung beim Deutschen Architekturpreis. Seit 2003 Professor an der Technischen Universität Darmstadt für Entwerfen und Grundlagen der Hochbaukonstruktion. 2006 wurde die neue Hauptsynagoge der Architektengemeinschaft Ohel Jakob in München fertiggestellt.

Andreas Meck, seit 1989 freier Architekt, seit 1989 Professor für Entwerfen und Baukonstruktion an der FH München, Mitglied der Beratergruppe Stadtgestaltung und Ökologie Messestadt Riem, Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung, Mitglied der Gestaltungsbeirates der Stadt Regenburg. 2005 Mies van der Rohe Award der EU, Mehrfacher Träger des Architekturpreises, Mehrfacher Träger des BDA Preises, Bauherrenpreises u.a. 2008 wurden das Dominikuszentrum in München und Pfarrzentrum St. Nikolaus in Neuried fertiggestellt.

Marian Offmann (* 1948 in München) ist Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und Mitglied der CSU-Fraktion im Münchner Stadtrat. Marian Offmann gehört dem Kulturausschuss des Stadtrats sowie dem politischen Beirat zur Planung des NS-Dokumentationszentrums in München an.

Ludwig Mödl (* 1938 in Ingolstadt), war von 1971 bis 1987 Regens des Eichstätter Priesterseminars, von 1988 bis 1992 Inhaber des Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der Universität Luzern, von 1992 bis 1996 Ordinarius für Spiritualität und Homiletik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und von 1996 bis 2003 Professor für Pastoraltheologie an der LMU München. 2003 wurde er emeritiert. Seitdem ist er Spiritual im Herzoglichen Georgianum München und seit 2007 Universitätsprediger an der Münchner Ludwigskirche als Nachfolger des Religionsphilosophen Eugen Biser. Zahlreiche Publikationen zur Pastoraltheologie, Homiletik und Volksfrömmigkeit.

Wolfgang Pehnt (* 1931 in Kassel) ist einer der renommiertesten deutschen Architekturhistoriker und -kritiker, seit 1995 Professor für Kunstgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Er ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München, Ehrenmitglied des Deutschen Werkbunds NRW sowie a.o. Mitglied beim Bund Deutscher Architekten. Als Auszeichnungen erhielt er u.a. den Kritikerpreis des BDA (1988), Erich-Schelling-Preis für Architekturgeschichte und -theorie (1994), Fritz-Schumacher-Preis für Architektur (2001), Ehrenpreis des Verbandes der deutschen Kritiker für ein Lebenswerk (2006). Pehnt beschäftigt sich intensiv mit Architekten, die die Sakralbaukunst in Deutschland wesentlich geprägt haben. Er verfasste Monographien über Rudolf Schwarz, Gottfried Böhm und Karljosef Schattner. In jüngster Zeit berichtete er über das Kirchensterben in Deutschland, den Abriss von Kirchenbauten der fünfziger und sechziger Jahre, wie St. Raphael in Berlin von Rudolf Schwarz und anderer wichtiger Kirchen, die aufgegeben werden mussten.

Wilhelm Warning (* 1948 in München), ist Journalist, Publizist, Essayist, Kunst- und Architekturkritiker für den Bayerischen Rundfunk und die ARD tätig.

Christian Welzbacher (* 1970 in Offenbach), ist Kunsthistoriker und Architekturkritiker. Seit 1998 ist er als freier Journalist tätig und schreibt unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Zeit und verschiedene Fachzeitschriften. 2005 erhielt er für seine Dissertation "Die Staatsarchitektur der Weimarer Republik" u.a. den Theodor Fischer-Preis des Zentralinstituts für Kunstgeschichte. In den letzten Publikationen beschäftigte er sich vor allem mit Moscheebauten in Europa, 2008 erschien der Essay "Euroislam-Architektur. Die neuen Moscheen des Abendlandes". Welzbacher lebt in München.

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